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 Information zu rechtsextremen Aktivitäten in Helle Mitte


Stellungnahme des Asta der Alice-Salomon-Fachhochschule zum an der ASFH angebrachten Transparent "Augen auf beim Markteinkauf"

Erst kürzlich, am 03.November 2007 führte die NPD gegen 12 Uhr einen Informationsstand in der Hellen Mitte durch, bei dem neun Rechtsextremisten, unter ihnen Mathias Wichmann, Fraktionsmitglieder der NPD in der BVV Marzahn Hellersdorf, anwesend waren. Im Zuge des Todestages des Hitler-Stellvertreters Rudolf Heß führten Neonazis am 18. August 2007 einen Aktionstag unter anderem in der Hellen Mitte durch.


Diese und ähnliche Vorfälle ereignen sich in Berlin immer wieder. Um gegen diese rechtsextremen Aktivitäten vorzugehen, wurde in der Hellen Mitte ein Runder Tisch ins Leben gerufen. Mit diesem Flyer wollen wir euch noch einmal auf die Situation der Hellen Mitte aufmerksam machen und aufzeigen, warum es auch hier zu rechtsextremen Vorfällen kommt.


Ein Beispiel dafür, dass sich Rechtsextremisten in der Hellen Mitte so wohl und unbehelligt fühlen, ist der Marktplatz vor der Alice Salomon Fachhochschule. Dort vertreiben HändlerInnen Produkte, die dem extrem rechten Milieu zugerechnet werden können. Bis vor kurzem war der „Märkische Reiterhof“ auf dem Markt vertreten, welcher unter anderem die Bekleidungsmarke „Thor Steinar“ , vertrieb. Fragte man nach, so konnten auch Pullover mit der Aufschrift „Hellersdorf“ zuzüglich Schwarz-Weiß-Rotem Aufdruck erworben werden. Wir begrüßen die Tatsache, dass dieser Händler seinen Platz aufgrund einer Konzezissionsänderung, welche das Vertreiben von rechtsextremen Artikeln untersagt, räumen musste.


 Jedoch befindet sich nach wie vor ein Bücherstand, der die geschichtsrevisionistische Heftserie „Der Landser“ vertreibt auf dem besagten Markt. Laut dem Soziologen Dirk Wilking, der im Antifaschistischen Infoblatt Nr. 77  über den Landser schreibt, stellen diese Hefte innerhalb der Neonazi- Szene einen ideologischen Einstieg dar „…– kaum ein Neonazi hat sie nicht zum Einstieg gelesen.“ Das gleiche Heft wird auch im Zeitschriften- und Tabakladen im Marktplatzcenter verkauft.


Andere rechtsextreme Artikel, die an unterschiedlichen Ständen angeboten werden sind: Aufnäher des in den USA verbotenen rassistischen „Ku Klux Klan“- Geheimbundes und Aufnäher der verbotenen Neonazi- Rockband „Landser“.
Andere Stände bieten Artikel an, die in der rechtsextremen Szene zumindest Anklang finden, jedoch nicht nur dieser zuzuordnen sind, wie Militärartikel, (antike)Waffen, der „germanische“ Thorshammer, amerikanische Südstaatenflagge, Aufnäher mit der Aufschrift „Ich bin Stolz ein Deutscher zu sein“ , Aufnäher mit der schwarz-weiß-roten Flagge des deutschen Reiches und Ähnliches.


Auf Grund dessen sah sich der AStA veranlasst mit einem Transparent, das die Aufschrift „Augen auf beim Markteinkauf – Rechtsextreme in Helle Mitte stoppen“ träg, auf diese Vorgänge aufmerksam zu machen. Dies taten wir auch vor dem Hintergrund, dass wir bereits vor einem Jahr von MitarbeiterInnen und Studierenden unserer Fachhochschule erfahren haben, dass sie den abendlichen Heimweg, vor allem die Heimfahrt, von der ASFH, als bedrohlich empfinden. Und zwar weil sie aus unterschiedlichen Gründen nicht in das rechte Weltbild passen. So wird die Helle Mitte und der Weg zur ASFH und zurück, besonders in den Abendstunden von potenziellen Opfern rechter Gewalt gemieden.


Das Transparent wurde während eines Markttages an der Außenseite der ASFH an einer Stelle die von den MarktbetreiberInnen einsichtig ist, befestigt. Noch während das Plakat angebracht wurde, versammelten sich diverse MarktbetreiberInnnen vor der Fachhochschule und beschimpften die Studierenden. „Kommt doch runter, dann hauen wir euch aufs Maul“, ist nur ein kleines Beispiel für die Ausfälligkeiten, welche die Studierenden über sich ergehen lassen mussten.


Innerhalb von 2 Tagen besuchte die Polizei von Marzahn-Hellersdorf dreimal die Fachhochschule, da von Seiten der MarktbetreiberInnen eine Anzeige gegen die Studierenden aufgrund von angeblichen Pöbeleien gemacht wurde.
Trotz eindeutiger Aussagen von Seiten des Rektorats, welche beinhalteten, das Transparent dort zu belassen, wo es sich befand, wurde es am Donnerstagmorgen, als es erneut einen Besuch der Polizei gab, von einer Mitarbeiterin der Verwaltung in vorauseilendem Gehorsam entfernt. Noch am selben Vormittag wurde das Transparent von Seiten des AStA erneut ausgehängt. Wir hoffen, dass es als Zeichen unseres Unmutes über die vorherrschenden Verhältnisse in Helle Mitte auch noch lange an dieser Stelle sichtbar beleiben wird.


Dies vor allem daher, da die MarktbetreiberInnen argumentieren, dass sie nicht in die „rechte Ecke“ gedrängt werden wollen, sie es jedoch waren, die den Märkischen Reiterhof mit samt seinen Rechtsextremen Artikeln in ihrer Mitte duldeten und einige von ihnen auch jetzt noch Artikel für das rechtsextreme Klientel anbieten. Bei solch einem vielseitigen, von der Öffentlichkeit tolerierten, Angebot an Artikeln für die extrem Rechte, ist es nicht verwunderlich, dass diese sich in der Hellen Mitte wohl fühlt und sie, neben anderen Orten in Berlin, zu ihrem Aktionsraum erklärt.


Ein Entfernen des Transparentes bedeutet in unseren Augen ein Nachgeben von Seiten der Fachhochschulen gegenüber rechtsextremen Strömungen.

 

Mehr Infos und eine Chronik über rechtsextreme Aktivitäten in Helle Mitte und Marzahn Hellersdorf findet ihr hier.

 

* weitere Infos unter asta.asfh-berlin.de

 

* weitere Quellen: Antifaschistisches Infoblatt Nr. 77 / dasversteckspiel.de