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 Chronik rechter Aktivitäten im Bezirk


27.12.05: An einer Plus-Kaufhalle in Alt-Marzahn wird die mit schwarzem Sprühlack geschriebene Parole „KILL ANTIFA sympth - ANB" (sic!) entdeckt.

Ende November Auf den Rollladen des Parteibüros der Die Linke/PDS in der Hellen Mitte wird mit Filzstift „. IHR JUDEN" geschrieben.

27.11.05: Am Wochenende wird auf den Boden vor beiden Eingangstoren des Gymnasiums in der Blenheimstraße in Alt-Marzahn mit Sprühlack geschrieben „Fuck Silvio Meier". An zwei Glascontainern, auf denen vorher Plakate für die Silvio-Meier-Demo klebten, werden jeweils zwei Hakenkreuze und SS-Runen gesprüht. Im selben Zeitraum wird an die Fahrplansäule der Tram-Haltestelle Brodowiner Ring mit Edding geschmiert „Kill Silvio Meier" und „Scheiss Silvio". Auch wird an der Bushaltestelle Rebhuhnweg ein Hakenkreuz auf einen Mülleimer und, in der Nähe auf den Boden, der Satz „Zecken aufs Maul" gesprüht. Außerdem wird am Freizeitforum Marzahn die Parole „NAZI YOUR END IS NEAR" zu „ANTIFA YOUR END IS NEAR" umgeschrieben.

19.11.05: An der Fassade des „Kolonialmarkt", nahe der Tram-Station Max-Hermann-Straße, wird ein gesprühtes Hakenkreuz entdeckt.

18.11.05: In der Nacht gegen 1:30 Uhr, wird das alternative Hausprojekt AJZ „Kita" von Neonazis angegriffen. Sie kleben diverse NPD-Aufkleber an die Eingangstüren, die Fassade und auf Autoscheiben und werfen mit Flaschen auf Fenster, zerstören eines. Als dieses bemerkt wird, kann keiner der Angreifer mehr ausgemacht werden.

01.11.05: In der Nacht werden zwei verschiedene Spuckies mit antirepressiven Sprüchen und militanten Bildern im Wohngebiet Landsberger Tor, entlang der Landsberger Allee und im Wohngebiet Brodowiner Ring geklebt. Unterschrieben sind sie mit „NRZ - Bundesweite Aktion".

17.10.05: Am ersten Montag nach den Herbstferien werden in der Alice-Salomon-Fachhochschule in Hellersdorf mehrere Exemplare der Zeitschrift „[in'vers]" ausgelegt. Dies ist im Laufe des Jahres wohl mehrmals geschehen.

27.09.05: Am Nachmittag wird ein junger Mann in der U5 von zwei Neonazis bedroht. Die beiden etwa 20-jährigen Männer steigen U-Bahnhof Neue Grottkauer Straße zu, identifizieren ihn als Antifaschisten und versuchen ihn zu fotografieren. Als dieser sich abwendet und sich entfernt folgen ihm die beiden. Am U-Bahnhof Hellersdorf steigt er aus und sucht in einem Imbiss Schutz, die Neonazis folgen ihm und warten davor. Mit den Sätzen "Komm raus, Du Bastard! Komm doch raus, Du Judenfreund!" – wahrscheinlich in Anspielung auf seinen Anstecker mit der Aufschrift „Solidarität mit Israel!" - fordern sie ihn auf, diesen wieder zu verlassen. Kurz darauf verschwinden die beiden Neonazis in Richtung „Kino Kiste".

23.09.05: Am späten Abend erscheinen etwa 6 Neonazis vor dem Hellersdorfer Jugendklub „Kiste", wo ein Konzert stattfindet. Sie pöbeln einige Gäste an und schlagen einem ins Gesicht, welcher sich daraufhin zur Wehr setzt. Plötzlich zieht einer der Angreifer eine Handfeuerwaffe aus seiner Hose und hält sie dem jungen Mann an die Stirn. Als die Polizei eintrifft flüchten die Täter und werden kurz darauf am UBahnhof Hellersdorf festgenommen. Näheres ist uns dazu nicht bekannt.

23.09.05: Am U-Bahnhof Hellersdorf wird auf einem Fahrplan die Schmiererei „NUR HERTHA IHR JUDEN! HB '98" entdeckt.

20.09.05: Etwa 10 Neonazis sammeln sich auf dem Rummelplatz des Erntefest in Hellersdorf. Sie tragen teilweise Bomberjacken und Springerstiefel. Als wäre es verabredet, bereiten sie sich auf einen Kampf vor, holen Schlagringe hervor und greifen zu Glasflaschen. Beim kurz darauf folgenden Herannahen der Polizei ergreifen sie die Flucht.

18.09.05: Bei der Bundestagswahl erreichen rechtsextreme Parteien folgende Ergebnisse:

Partei

Erststimmen

Zweitstimmen

absolut

in %

absolut

in %

NPD

5428

3,7

4634

3,2

Die Republikaner

-

-

731

0,5

Bürgerrechtsbewegung Solidarität

1326

0,9

501

0,3

In Marzahn-Nord erhielt der Direktkandidat der NPD, Matthias Wichmann, immerhin 11,6% der abgegebenen Stimmen eines Wahlbezirkes. Im Schnitt lag der Stimmenzuwachs für die NPD um ein Prozent. Sollte sich an dem WählerInnenverhalten nichts ändern, wird diese Partei, aufgrund der Senkung der Einzugshürde auf drei Prozent, Verordnete in der nächsten Bezirksverordnetenversammlung stellen.

16.09.05: Am U5-Bhf. Kaulsdorf Nord findet eine antifaschistische Kundgebung statt, anlässlich des brutalen Übergriffes von Neonazis auf einen Schwarzen wenige Tage zuvor. Während der Veranstaltung hält ein Auto direkt davor und 4 Neonazis entsteigen diesem. Bevor weiteres passieren kann, werden sie von der zahlreich präsenten Polizei wieder zum Einsteigen bewegt, der Wagen wird gesichtet und es werden Personalien festgestellt.

14.09.05: Ein NPD-Wahlstand ist in der Hellen Mitte aufgebaut, nur etwa 50 Meter von einem PDS-Stand entfernt. Es sind fünf Neonazis vor Ort, darunter Matthias Wichmann. Ein Oberlippenbartträger mit Schäferhund soll offensichtlich den Stand schützen. Nach Berichten stößt die Wahlwerbung bei PassantInnen nicht nur in Ausnahmefällen auf Interesse.

14.09.05: In der Nacht werden in Marzahn mindestens 35 NPD-Aufkleber im Bereich der Tram-Haltestellen Alt-Marzahn und Jan-Petersen-Straße, sowie Blumberger Damm Ecke Landsberger Allee geklebt. Auch werden NPD-Plakate an Litfaßsäulen an der Kreuzung Allee der Kosmonauten / Landsberger Allee und gegenüber der Tram-Haltestelle Jan-Petersen-Straße geklebt.

12.09.05: Ab etwa 7:30 Uhr verteilen bis zu fünf Wahlhelfer der NPD die sogenannte „Schulhof-CD" (Titel „Anpassung ist Feigheit - Lieder aus dem Untergrund") an der Rudolf-Virchow-Gesamtschule in Marzahn. Viele SchülerInnen nehmen diese zunächst am Schultor entgegen, wollen sie dann aber schnell wieder loswerden und übergeben sie deshalb einer 62-jährigen Lehrerin, welche auf dem Schulhof steht. Einer der Neonazis wird darauf aufmerksam, geht auf die Frau zu und fordert sie auf, ihm die CDs zurück zu geben, was sie jedoch ablehnt. Ein zweiter Neonazi nähert sich und entreißt der Lehrerin einen Stapel CDs. Daraufhin gehen beide Männer zurück vor das Schultor und verteilen weiter. Lehrer haben inzwischen die Polizei gerufen; als diese eintrifft, haben sich die Neonazis jedoch schon entfernt. Die gewaltsame Wegnahme der CDs wird als Raubtat gewertet. Die Lehrerin wurde nicht verletzt. Einige Tage später erkennt die Lehrerin den Täter in einer TV-Reportage wieder. Demnach handelt es sich um den langjährigen NPD/JN-Funktionär Andreas Storr, der während der 1990er eine zentrale Rolle im neonazistischen Milieu des Bezirkes spielte.

11.09.05: Am Sonntagabend wird ein 49-jähriger Schwarzer aus Hellersdorf von drei Neonazis aus demselben Stadtteil - Silvio S. (28), Mike J. (23) und Willi B. (20) - rassistisch beschimpft, angegriffen und verletzt. Nachdem George D. am Bahnhof Kaulsdorf-Nord gegen 21 Uhr 15 aus der U-Bahn steigt, wird er in der Nähe des „Quick Imbiss" von den drei Männern unter anderem mit den Worten „Scheiß Nigger, verpiss Dich!" beschimpft und angegriffen. Der 49-Jährige versucht in Richtung Hellersdorfer Straße zu flüchten, wobei ihm die verfolgenden Angreifer mindestens zwei Bierflaschen hinterherwerfen, von denen ihn eine am Kopf trifft, so dass er zu Boden geht. Anschließend tritt Silvio S. auf den am Boden Liegenden ein. Dieser kann sich in einen BVG-Bus flüchten, dessen Fahrer die Polizei alarmiert, die die drei Neonazis im Imbiss festnehmen. Sie tragen verbotene NS-Symbole an sich. George D. kommt zur ambulanten Behandlung in ein Krankenhaus. Die Festgenommenen werden nach erkennungsdienstlicher Behandlung und Blutentnahme entlassen.

Am selben Tag ist am S-Bahnhof Marzahn ein BüSo-Wahlstand aufgebaut.

09.09.05: Am Sartre-Gymnasium in Hellersdorf werden mehrere Exemplare der Zeitschrift „[in'vers] - unabhängige schüler- & jugendzeitung" verteilt.

08.09.05: Auf dem Rollladen des Marzahn-Hellersdorfer Parteibüros der Die Linke/PDS in der Henny-Porten-Straße (Helle Mitte) wird der Satz „PDS KÖPFEN" entdeckt. Geschrieben ist er mit dem selben schwarz-braunen Sprühlack (sogenanntes „Terrorschwarz"), welcher bei anderen Schmierereien zuvor schon verwendet wurde (so z.B. am 19.08.05). In der Nähe, in einem Hausdurchgang in der Heidenauer Straße, steht - mit dem selben Schriftbild, allerdings mit einer Chromfarbe - geschrieben „SMASH ANTIFA", daneben ein Hakenkreuz.

05.09.05: Ein Taxifahrer, der gegen 1 Uhr in die Schwarzwurzelstraße in Marzahn gerufen wird, ist dort mit vier Männern konfrontiert. Einer der Männer versucht die Fahrertür zu öffnen. Diese hält der Fahrer immer verriegelt. Dann signalisiert der Mann an der Tür dem Taxifahrer, dass er etwas fragen möchte. Daraufhin lässt dieser die Fensterscheibe runter. Der Mann fragt den Taxifahrer, ob er Türke sei. Als er dies bejaht, spuckt der Mann ihm ins Gesicht und geht weg.
Quelle: „Chronik rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt in Berlin 2005" von ReachOut Berlin

01.09.05: In der Kastanienallee nahe der Hellen Mitte, wird an einer Trafostation der mit schwarzbraunem Sprühlack geschriebene Satz „RUDOLF HESS UNVERGESSEN" entdeckt. An der Turnhalle der Gesamtschule in der Spremberger Straße, auf der Seite zum Kienberg hin, wird der Spruch „ROTFRONT JAGD!" in der selben schwarz-braunen Farbe entdeckt. Diese Parole wurde Monate zuvor schon vor die Tore des alternativen Hausprojekts AJZ „Kita" auf den Boden geschmiert.

31.08.05: Während des Wahlkampfes werden in der Nacht in Marzahn entlang den Straßenbahnlinien 16 und M8 mehrere hundert NPD-Aufkleber geklebt, vorzugsweise an den Haltestellen.

20.08.05: In der Nacht wird ein 1 Meter großes, rotes Hakenkreuz am U-Bahnhof Neue Grottkauer Straße gesprüht.

19.08.05: Gegen 19 Uhr, wird beobachtet, wie zwei Neonazis - Nicole Stenzel und ein Mann, ca. 20 Jahre - in der Hellersdorfer Straße auf Höhe des Spree-Centers zwei große Wahlplakataufsteller mit schwarz-braunem Lack aus einer Sprühdose beschmieren. Auf einen Aufsteller der SPD schreiben sie „Kriegstreiber" und über ein Plakat der Die Linke/PDS ziehen sie einen Strich. Als sie an der Kreuzung Hellersdorfer/Cecilienstraße bemerken, dass sie aus einem stehenden Auto heraus beobachtet werden, versucht der Mann mit einer Videokamera den Insassen abzufilmen, während Nicole Stenzel vergeblich versucht, Pfeffergas durchs Fenster ins Innere des Wagens zu sprühen.

17.08.05: Laut eigenen Angaben sind gegen 23 Uhr einige Neonazis mit Transparenten für kurze Zeit in der Gegend um die Helle Mitte unterwegs und schreien Parolen mit denen sie an den Todestag des Hitler-Stellvertreters RudolfHess erinnern wollen.

13.08.05: In der Nacht haben, laut Pressemeldung der Polizei vom 14.08.05, Unbekannte das "Erste befreite Haus Berlins" in der Landsberger Allee 563 mit Hakenkreuzen, SS-Runen, sowie „verunglimpfenden Sprüchen" beschmiert und die Gedenktafel mit weißer Farbe unleserlich gemacht. Die Schmierereien werden gegen 00:15 Uhr entdeckt.

06.08.05: Erneut findet ein neonazistisches Konzert im „Club Asgard" statt. Auf der Homepage des Klubs ist bis zuletzt das „Record-Release-Konzert" der NS-Black-Metal-Band „Absurd" angekündigt, jedoch ist intern schon Tage vor dem Termin bekannt, dass diese nicht erscheinen wird. (Statt dieser tritt eine Band namens „Walaskialf" auf.) Laut Pressemeldung der Polizei vom 07.08.05 werden gegen 21:30 Uhr 56 Personen überprüft und CDs, LPs und ein T-Shirt mit der Odalrune darauf, sowie ein „Thor Steinar"-Sweatshirt festgestellt, außerdem drei Verstöße gegen das Waffengesetz angezeigt. Das Konzert wird um 22:40 Uhr von der Polizei aufgelöst. Der Bezirksbürgermeister von Marzahn-Hellersdorf, Dr. Uwe Klett, kündigt daraufhin an, den „Club Asgard" schließen zu wollen.

04.08.05: Laut NPD-Homepage ist nahe dem U5-Bahnhof Elsterwerdaer Platz kurzzeitig ein NPD-Wahlstand aufgebaut. Dieser sei nach wenigen Stunden von einer Gruppe „Linker" beschädigt worden.

20.07.05: In der Nacht wird im Fußgängertunnel des S-Bahnhofs Springpfuhl „Keine Träne für Stauffenberg - ANB" gesprüht. An eine Kaiser’s-Kaufhalle in Alt-Marzahn, sowie an den Klub „Anna Landsberger" wird der Satz „Smash Antifa - ANB" geschmiert.

19.07.05: In der Nacht zum  werden etwa 50 A4-Plakate mit der Aufschrift „Gewalt erzeugt Gegengewalt, hat man dir das nicht erzählt?" (und einem weiteren Zitat der Band Die Ärzte) in Hellersdorf geklebt. Darauf schemenhaft abgebildet ist ein gewalttätiger Angriff auf einen Punk. Unterschrieben ist das Plakat mit dem Label „[AGL] Freie Kräfte Berlin", welches Überschneidungen mit dem Umfeld der verbotenen „Kameradschaft Tor" / „Mädelgruppe" hat. Zudem werden rote Spuckies mit der Aufschrift „Deutsch für Rasse und Nation unsere Treue" geklebt.

Ebenfalls in dieser Nacht werden diverse Parolen geschmiert: An der Skate-Rampe zwischen dem Santic-Friedenspark und dem Jugendklub „Joker" wird „Fight Israel - Combat 18" gesprüht; im U-Bahnhof Neue Grottkauer Straße wird ein Hakenkreuz und der Satz „Nur Hitler" geschmiert, der gleiche Spruch wird im Eingangsbereich des Bürgeramtes am Helene-Weigel-Platz in Marzahn um 2:20 Uhr entdeckt.

09.07.05: Eine NPD-Demonstration unter dem Motto „Lernmittelfreiheit statt Multikulti" findet in Marzahn statt. Anmelder dieser ist Claus Schade, NPD-Landesvorsitzender. Treffpunkt ist 11 Uhr am S-Bhf. Ahrensfelde. Etwa 50 Neonazis treffen sich zuvor bereits um 10 Uhr am Bahnhof Lichtenberg, um dann gemeinsam zum S-Bhf. Ahrensfelde zu fahren. Dort kommen schätzungsweise 70-100 Neonazis zusammen. Unter der Führung von Jörg Hähnel - welcher zusammen mit Stella Palau die Reden hält - marschieren diese, flankiert von einem großen Polizeiaufgebot, bis ca. 13 Uhr weitgehend ungestört durch Marzahn.

16.06.05: Im Zugangstunnel des U-Bahnhofs Cottbusser Platz werden die über 6 Meter lange Parole "Antifa Angrefen" (sic!), sowie im Ausgangsbereich mehrere Hakenkreuze und 88-Codes entdeckt. Letztere können den Sprayern 'liar' und 'bisor' zugerechnet werden.

16.06.05: Auf den Rollladen des MarzahnHellersdorfer Parteibüros der Die Linke/PDS wird in der HennyPortenStraße (Helle Mitte), der Satz „PDS KÖPFEN" gesprüht.

05.06.05: Gegen 01:30 Uhr, treffen sich am U-Bhf. Neue Grottkauer Straße circa 16 Neonazis, um anschließend das im Abbau befindliche „Kulturschock Festival" anzugreifen. Während sie schnellen Schrittes vom U-Bahnhof in Richtung Feuerwache die Hellersdorfer Straße passieren, ziehen sich einige der ausschließlich männlichen Neonazis Sturmmasken übers Gesicht. Ein Teil der Gruppe bleibt an der Ecke der Feuerwache stehen, der andere läuft weiter in den Feldberger Ring und späht vom südlichen Aufgang zum Platz hin. Einige Zeit darauf flüchten die Neonazis unverrichteter Dinge in das Wohngebiet Feldberger Ring.

Zeitgleich zum versuchten Angriff brennt eine Müllsammelstelle im Oschatzer Ring, direkt neben dem alternativen Hausprojekt AJZ „Kita".

03.06.05: Einen Tag vor dem „Kulturschock Festival", werden im Jelena-Santic-Friedenspark neonazistische Schmierereien entdeckt: Auf dem asphaltierten Weg, der auf den Hügel führt, steht mit schwarzem Sprühlack in großen Lettern geschrieben „KULTURSCHOCK ANGREIFEN!" und auf die Steine des „Peace-Zeichens" sind die Sätze geschmiert „REDS BETTER RUN - ANB IS WATCHING YOU" sowie „C4 FOR REDS - ANB". Das ehemals aus Holzpflöcken, jetzt aus großen Steinen gesetzte Friedens-Symbol im Park ist seit seiner Errichtung 1998 des öfteren Ziel rechts-motivierter Zerstörungswut geworden. Unter anderem wurden die Pflöcke zu einem Keltenkreuz bzw. White-Power-Symbol umgesteckt.

29.05.05: „Die Republikaner" und „Offensive D" haben auf dem Straßenfest „Marzahner Frühling" auf der Marzahner Promenade ihre Wahlwerbestände aufgebaut.

29.05.05: Gegen 1 Uhr werden zwei Jugendliche auf dem Weg zwischen der Hellen Mitte und Alt-Hellersdorf von Neonazis brutal angegriffen. Die beiden Täter nähern sich von hinten, einer sprüht CS-Gas, der andere zieht ein Messer und attackiert einen der jungen Männer, welcher daraufhin zu Boden geht. Nur durch wildes Strampeln kann er Stich- und Schnittverletzungen abwehren. Die Angreifer flüchten Richtung Alt-Hellersdorf. Laut Angaben der Opfer sind sie zwischen 16 und 20 Jahre alt und zur Tatzeit komplett schwarz gekleidet.

13.05.05: Etwa zwei Wochen zuvor sind die Opfer in der selben Gegend auf eine Gruppe von 6 bis 8 jungen Männern getroffen - allesamt schwarz gekleidet. Die beiden Jugendlichen gingen an ihnen vorbei und hörten die Sätze: „Mach'n wa die nun oder nich'?" - „Dit sind keene richtigen Zecken!".

08.05.05: Mitglieder der verbotenen Kameradschaft Tor versuchen in Marzahn-Hellersdorf aufzumarschieren, werden aber von der Polizei gestoppt.

21.04.05: In Marzahn findet am „Haus des 21. April 1945" in der Landsberger Allee 563 eine Kundgebung anlässlich des sechzigsten Jahrestages des Einmarsches der Roten Armee in Berlin, sowie der Umbenennung einer nahegelegenen Brücke nach General Bersarin statt. Neben schätzungsweise 200 BürgerInnen erscheinen dort auch vier Neonazis, dabei Björn Wild und Sebastian Zehlecke,  welche der Kameradschaftsszene zuzuordnen sind. Sie machen einige Fotos, werden dann aber aufgrund des Hinweises junger AntifaschistInnen von ZivilpolizistInnen des Ortes verwiesen.

24.03.05: Unbekannte beschmierten das sowjetische Ehrenmal in Kaulsdorf.

12.03.05: Einen Tag später, gegen 21 Uhr, greifen sechs Neonazis erneut das alternative Hausprojekt AJZ „Kita" mit Flaschen an. Sie sind größtenteils dunkel gekleidet und es sind mindestens zwei junge Frauen darunter. Sie rufen unter anderem „Sieg Heil!", werfen eine Scheibe ein und flüchten kurz darauf. Die 14- bis 17-jährigen TäterInnen randalieren danach weiter in der Umgebung und werden festgenommen:

BVG-Wartehalle zerstört - Täter festgenommen

Sechs Jugendliche haben gestern Abend gegen 21 Uhr in der Quedlinburger Straße in Hellersdorf die Verglasung einer dortigen BVG-Buswartehalle zerstört. Die vier Männer und zwei Frauen flüchteten danach in die Albert-Kuntz-Straße und zerstörten dort weitere Verglasungen an dortigen Mietshäusern. Zivilbeamte des Polizeiabschnitts 68 konnten die Randalierer festnehmen. Einer der Täter trug ein Sweatshirt der Firma Thor Steinar. Das Bekleidungsstück wurde beschlagnahmt. Alle sechs Personen sind nach dem äußeren Erscheinungsbild der rechten Szene zuzuordnen.

Quelle: Pressemeldung der Polizei vom 13.03.05

11.03.05: Gegen 21:30 Uhr, greifen mindestens drei Neonazis das alternative Hausprojekt AJZ „Kita" in Hellersdorf mit Flaschen an. Sie sind dunkel gekleidet, tragen zumindest teilweise Kapuzen und Stiefel und haben zwei bis drei Hunde bei sich. Sie werfen eine Scheibe ein, ziehen sich kurzzeitig ins Naturschutzgebiet zurück und kommen erneut auf das Gelände. Sie rufen u.a. „Heil Hitler!", „Adolf Hitler lebt!", „Scheiß Zecken!" und „Wir kriegen Eure Autos und Eure Mütter!". Der gesamte Hergang dauert schätzungsweise 10-15 Minuten. Dies ist bereits der fünfte Angriff auf das Projekt in vier Jahren.

08.02.05: Zwischen 19 und 22 Uhr, findet in der Gaststätte „Fistlers Stuben" eine Informationsveranstaltung des NPD-Kreisverbandes Marzahn-Hellersdorf zum Thema Russlanddeutsche statt. Geladener Referent ist Dr. Heinrich Groth, selbsternannter „Repräsentant der Deutschen aus Russland", der auf dem dritten Listenplatz der Deutschen Partei (DP) für die Europawahl 2004 kandidierte. Der auf der Homepage der NPD angekündigte Treff- bzw. Schleusungspunkt ist 19 Uhr U5-Bhf. Louis-Lewin-Straße, Ausgang Ostseite oben. Diesen nutzen nur etwa 15 Neonazis, zumeist Jugendliche, viele dunkel gekleidet. Schleuser im U-Bahnhof ist NPD-Kader Andreas Storr, auch Matthias Wichmann ist in der Umgebung unterwegs. Es sind mindestens 50 Personen bei dieser Veranstaltung zugegen, ein großer Teil ist mit Pkw angereist – darunter viele mit Kennzeichen umliegender Landkreise.

01.02.05: Die „BüSo" hat erneut einen Infostand in der Hellen Mitte aufgebaut, diesmal vor dem Marktplatz-Center.

25.01.05: Kurz nach Mitternacht werden auf der Gedenktafel des „Haus des 21. April 1945" in der Landsberger Allee 563 neonazistische Schmierereien entdeckt. Dabei handelt es sich um den Schriftzug „N.S. Marzahn" (das S als Sig-Rune) zwischen zwei Hakenkreuzen.

22.01.05: In der Nacht findet im „Club Asgard" in Marzahn ein Konzert statt. Es spielen „Summer`s Dying" aus Weimar und die NS-Black-Metal-Band „Feuersturm" aus Potsdam. Das Publikum besteht teilweise aus Neonazis sowie Black Metal- und Dark Wave-AnhängerInnen. Der Klub hat Zufahrts- und Fahrwachen organisiert.

19.01.05: Die „BüSo" („Bürgerrechtsbewegung Solidarität") hat einen Infostand vor der Sparkasse in der Hellen Mitte aufgebaut..
 

 
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Neben zahlreichen neonazistischen Sprühereien und Aufklebern, die ständig im Straßenbild von Marzahn-Hellersdorf auftauchen, existiert nach wie vor ein Potential für rechte Gewalt im Bezirk. Auch organisierte Neonazis von NPD und "Freien Kameradschaften" nutzten die Öffentlichkeit für eigene Aktionen. Um geeignet dagegen vorgehen zu können müssen diese Aktivitäten dokumentiert werden. Viel zu oft werden neonazistische Aktivitäten in kleinem Rahmen weitererzählt und geraten bald wieder in Vergessenheit. Darum: Schicken Sie uns Informationen zu Übergriffen, Sprühereien und Treffpunkten der rechten Szene in Marzahn-Hellersdorf an: abm[at]riseup.net
 

 
 Information zur Weiterveröffentlichung


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 Chronik der vergangenen Jahre


Wir dokumentieren Aktivitäten neonazistischer und anderer reaktionärer Spektren. Wir sind bemüht die Chronik bis in die 1980er Jahre zurück zu ergänzen und stetig weiterzuführen.

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 Nazis im Bezirksparlament von Marzahn-Hellersdorf
 Dokumentation der NPD-Aktivitäten in der lokalen BVV


Seit Oktober 2006 ist die NPD mit drei Verordneten in der BVV von Marzahn-Hellersdorf vertreten. Das Projekt Nip - Nazis in den Parlamenten dokumentiert die Aktivitäten der NPD-Fraktion sowohl parlamentarisch, als auch außerparlamentarisch. Außerdem wird über die Ideologie der NPD aufgeklärt und Hintergründe zu den einzelnen NPD-Verordneten dargestellt.